
Rückblick: Dolchstoß-Rhetorik 2005
9. August 2009Wer erinnert sich noch an den 31. Oktober 2005? Die Bundestagswahl war gerade einen Monat her, Bundeskanzler Schröder hatte sich in der Elefantenrunde um Kopf und Kragen und Merkel in das Kanzleramt einer Großen Koalition geredet. Franz Müntefering war gerade ein Jahr als Nachfolger von Gerhard Schröder Parteichef und Klaus Uwe Benneter Generalsekretär.
Am 31.10.2005 stand sodann die Wahl des neuen Generalsekretärs im Parteivorstand an – der von Müntefering favorisierte Kajo Wasserhövel erlangt nicht die Mehrheit, muss sich vielmehr der Parteilinken und ehemaligen Juso-Bundesvorsitzenden Andrea Nahles geschlagen geben.
Der Große Vorsitzende tritt nach einem Jahr ab, nachdem sein Vorstand ihn “ausversehen” hingemeuchelt hatte (Spiegel Online). Für Johannes Kahrs war die Sache schon im Vorfeld total klar: “Sie spaltet und polarisiert, wie ja der Vorgang um ihre Kandidatur zeigt“.

Nach dem grand malheure wurde auch flugs der SPD-Ortsverein Hamburg-Innenstadt (Kreis SPD-Hamburg-Mitte) instrumentalisiert, den gesamten Bundesvorstand zum Rücktritt zu drängen und dem parteilinken Bundesvorständler Niels Annen seinen “Dolchstoß” gegen Müntefering bei der Nominierung Nahles’ vorzuhalten.
Exkurs:
Die Dolchstoßlegende war eine von führenden Vertretern der deutschen Obersten Heeresleitung (OHL) initiierte Verschwörungstheorie, die die Schuld an der militärischen Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg vor allem auf die Sozialdemokratie abwälzen sollte. Sie besagte, das deutsche Heer sei im Weltkrieg „im Felde unbesiegt“ geblieben und habe erst durch oppositionelle „vaterlandslose“ Zivilisten aus der Heimat einen „Dolchstoß von hinten“ erhalten. Antisemiten verknüpften „innere“ und „äußere Reichsfeinde“ dabei zusätzlich mit der Schimäre vom „internationalen Judentum“. Wikipedia.de
Der Große Vorsitzende Müntefering wurde Arbeitsminister, trat 2007 aus Fürsorge für seine kranke Frau zurück. Dies ist durchaus zu würdigen.
Dass er aber nur knapp 5 Wochen nach dem tragischen Tod seiner Frau sofort wieder zur Stelle war, um zusammen mit Frank-Walter Steinmeier den Parteivorsitzenden Kurt Beck hinzumeucheln, ist ein durchaus zu verachtendes Verhalten.




[...] sich Kahrs und Annen doch seit annähernd zehn Jahren spinnefeind. Annen ist für Kahrs einer, der mit dem Dolch den eigenen Parteichef um die Ecke bringt, um die Genossin Nahles im Willy-Brandt-Haus an prominenter Stelle zu [...]